3. Etappe

3. Etappe Scuol - Tarscher Alm

Um 7:30 fahren wir in Scuol los und rollen runter zum Inn, Richtung nach Sur En, wo wir wieder auf unseren ursprünglich geplanten Weg treffen wollen. Wir machen einen kleinen Abkürzer über eine frisch gemähte Wiese. Keine gute Idee! Hinterher sind wir eine Viertelstunde damit beschäftigt, unsere blockierten Schaltwerke von Grashalmen zu befreien.

Man beachte die täglich niedrigeren Pulswerte. Fit wie'n Turnschuh!
Wildromantisches Val d'Uina
Großknecht, gib mir sofort mein Löffi wieder!
Heidiland...
Sensationell: Der Kabelschlitz im Val d'Uina

In Sur En wird der Tacho wieder auf das Roadbook eingestellt und es geht stetig durch das wildromantische Val d’Uina.

Bereits der untere Teil ist aufregend schön und lädt mich streckenweise zum Schieben ein...

Auf 1770 Meter liegt die Uina Dadaint, eine bewirtschaftete Almhütte, wo Uwe mit den letzten Franken eine Suppe bestellt und ich eine Apfelschorle trinke. Wir treffen auch eine Reihe Wanderer, ebenso kommen uns  einige Biker von der italienischen Seite entgegen.

Wir schultern unsere Rucksäcke wieder und es geht auf einem hin und wieder fahrbaren Singletrail zur berühmten Galerie des Val d’Uina. Zu Zeiten (um 1910), als der Mensch meinte, sich die Natur Untertan machen zu können, ließ der Deutsche Alpenverein für 32.000 Franken, diese Galerie in die senkrechten Wände der Schlucht sprengen. Eine Art gigantischer Kabelschlitz, 16% Steigung, 1,30m breit und ca. 600 Meter lang. 150 Meter über dem Grund. An Fahren ist nicht zu denken. Da ich nicht ganz schwindelfrei bin konzentriere ich mich auf die jeweils nächsten Meter vor mir und wage es nur die Aussicht zu genießen, wenn eines der seltenen Geländer etwas Sicherheit vermittelt.

Irgendwie bin ich froh, als wir am oberen Ende wieder ans Tageslicht kommen und unseren Weg durch ein wunderschönes Hochtal in Richtung italienischer Grenze-Schlinigpass und Sesvenna Hütte fortsetzen.
Dort herrscht der übliche Sonntagsrummel vielen, lärmenden Wanderern und noch mehr Bikern.

Welch ein Glück, dass wir uns gestern vernünftigerweise entschieden haben, in Scuol zu übernachten. Den Weg hier hoch hätte ich gestern bestimmt nicht mehr geschafft.
Das Hüttenpersonal wirkt seltsam angespannt und bedrückt, ganz im Kontrast zu den im Internet gefundenen begeisterten Schilderungen über die Atmosphäre auf dieser Hütte. Als ich mich etwas umsehe, entdecke ich den Grund dafür: In der Stube ist ein Altärchen aufgebaut, auf dem eine Kerze brennt und ein Bild der Hüttenwirtin steht. Sie ist Mitte Juli 2001 mit der Materialseilbahn, die zur Hütte führt, tödlich verunglückt.

Nachtrag: Hüttenwirt Walter und seine Familie haben - wohl aufgrund des tragischen Vorfalls - inzwischen aufgegeben. Ein neuer Wirt ist eingezogen, der auch eine eigene Website betreibt: www.sesvenna.it

Nach einem Mittagessen bestehend aus komplexen und langkettigen Kohlehydraten (Rigatoni Bolognese) und Apfelschorle geht’s sehr flott ins Vinschgau hinunter. Zur Abwechslung mal schöne Radwege durch Obstplantagen. Das Städtchen  Glurns ist sehenswert und kommt in meinen “da-muss-ich-wieder-mal-hinfahren- wenn-ich-mehr-Zeit-habe” Speicher.

Zur Tarscher Alm, dem Ziel unserer heutigen Etappe, müssten wir vom Tal aus noch ca. 1200 Höhenmeter überwinden. Irgendwie habe ich für heute genug von Steigungen, und wir überlegen ob wir nicht unten im Tal übernachten wollen. Auf der Karte ist aber eine Seilbahn zur Alm eingezeichnet und ich erinnere mich, in einer Internet Tourenbeschreibung etwas darüber gelesen zu haben. Unterwegs rufen wir auf der Tarscher Alm an und fragen, wann die letzte Seilbahn zur Alm fährt. 18.00 Uhr lautet die Antwort. Wir müssen uns also ziemlich beeilen.

Dummerweise liegt die Talstation bereits auf ca. 1300m, das Tal auf 640m d.h. ca 2 Stunden fahren oder ggf. schieben, wenn’s zu steil wird. Auf jeden Fall kämen wir nach 18.00 Uhr an der Station an. Was tun? In Goldrain finden wir nach einigen Anläufen (dem für heute letzten, kostenlosen Pendelbus zur Seilbahn können wir gerade noch nachwinken) eine Kneipe deren Wirtin uns ein Taxi ruft.

So kommen wir - nicht sehr sportlich aber dafür um so stressfreier - kurz vor Schluss zur Seilbahn, nehmen unsere Bikes auf den Schoß und gondeln in Rekordzeit auf 1940 Meter zur Tarscher Alm (siehe Höhenprofil oben).

Nach dem Duschen setzten wir uns auf die Terrasse - wir sind die einzigen Gäste -, sehen dem Hüttenwirt beim Käsemachen zu und relaxen in himmlischer Ruhe bei mehreren Weißbier, selbstgebranntem Schnaps, Speck und Almkäse und  einer grandiosen Aussicht ins Vinschgau.

Tarscher Alm, super Aussicht, himmlische Ruhe.