4. Etappe

4. Etappe Tarscher Alm - Haselgruber Hütte

Wie immer piept um 6:45 Uhr der Wecker. Beim Frühstück besprechen wir die heutige Etappe. Zuerst wird es ca. 600 hm schiebemäßig bergauf und dann noch mal 400 hm nicht fahrbar bergab gehen. Schnell kommen wir zum Schluss, dass  wir unser heutiges Ziel Dimaro nicht erreichen werden.

Planung ersetzt Zufall durch Irrtum!

Wir beschließen, zumindest bis ins Ultental zu fahren und dann weiter zu sehen.

Kurz nach 8.00 geht’s dann hinauf. Der Weg - im Winter eine Skipiste - ist steil aber im unteren Teil prima zu gehen. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und so sind wir nach etwas über einer Stunde schon oben.

Sogar im Urlaub trägt Uwe unsere Corporate Identity zur Schau!
vorne zwei Ochsen, im Hintergrund der Tarscher Pass
Muh!
Steil, aber gut zu begehen.
Das Gipfelkreuz kurz vor dem Tarscher Pass

Etwas weniger angenehm ist der Weg nach unten. Loses Geröll und enge Passagen zwischen Felsen sind dem Fortkommen nicht gerade dienlich. Meine Knie mahnen zur Vorsicht, machen aber alles klaglos mit. Die Aussicht ist wieder  herrlich, ich finde, der Weg lohnt deshalb trotz der Schieberei und Tragerei.

Unser Roadbook führt uns wieder über schöne, abgelegene Wege in Richtung Ultental. In St. Moritz kehren wir ein und können uns gar nicht satt sehen an der Aussicht ins Tal und den Zoggler Stausee. Wir fühlen uns topfit und beschließen, heute noch bis ur Haselgruberhütte am Rabbijoch zu fahren.

In St. Gertraud fragen wir im Ultener Hof nach der Telefonnummer der Haselgruber Hütte, rufen an und reservieren dort ein Zimmer.

Das Kirchbergtal zum Rabbijoch ist anfangs mit ca. 10% Steigung recht angenehm zu fahren, wenn nur die Schottersteine nicht so grob wären. Nach 4,5 km ist mal wieder Schluss für mich, denn es geht mit durchschnittlich 16% steil nach oben. Uli Stanciu schreibt in seinem Buch “Traumtouren Transalp”: “...nur Konditionstiere werden das Stück komplett fahrend schaffen.” Uwe ist ein solches Tier; ich hätte möglichweise die Kondition aber nicht das passende Gewicht. So schiebe ich eben.

Etwas für Konditionstiere! 16% Steigung auch wenn's nicht so aussieht.
Beim steinernen Gipfelkreuz sind wir noch lange nicht oben!
Am Rabbijoch: Weit und breit kein Rabbi zu sehen.

Unterwegs treffe ich einen Schäfer den ich mit einem freundlichen “Salve” begrüße. Er antwortet “Kannst ned Grüß Gott sagen?” Nur 400 Meter von der italienischen Sprachgrenze am Rabbijoch entfernt, legt er doch sehr großen Wert auf seine kulturelle Identität.

Gegen 17.00 kommen wir an der Haselgruberhütte (eigentlich Rifugio Lago Corvo) an. Die Hüttenwirtin erklärt uns die Hausordnung (drinnen nur mit Hausschuhen!) und das Abendessen. Frisch geduscht setzen wir uns mit Südtiroler Bier vor’s Haus und sehen der Sonne beim Untergehen hinter den Berggipfeln zu. Sobald die Sonne weg ist, wird es schnell kühl und wir verziehen uns nach drinnen. Das Essen, das die Wirtin mit ihren Töchtern uns und den anderen Gästen gekocht hat, ist erste Klasse.

Wir trinken zusammen noch gut 2 Liter hervorragenden Südtiroler Wein, Uwe versucht vergeblich seine letzte Brasilianische Zigarre zum Brennen zu bringen, als kurz vor Einbruch der Dunkelheit zwei junge Burschen auf Ihren Bikes daher kommen. Echte Freerider, mit bloßem Oberkörper, bewaffnet mit Schienbeinprotektoren! Sie sind heute bei der Zufallhütte losgefahren und haben über das Flimjoch und den Anstieg zur Hütte über 2500 Höhenmeter zurückgelegt. Wir zollen höchste Anerkennung!

Diese Nacht schlafe ich wie ein Murmeltier, lags an dem Wein oder lags an der Höhenluft? Selbst Uwes Geschnarche höre ich nicht.